Alte Kameraden Würselen

Chronik

Hier können Sie die Chronik des Bundestambourkorps Alte Kameraden 1922 Würselen e.V. sehen

 

Zu einem Markenzeichen seiner Heimatstadt Würselen ist das Bundestambourkorps "Alte Kameraden" in den verflossenen 85 Jahren herangereift, auf die es voller Stolz zurückblicken kann. Mag dieser Zeitraum im großen Getriebe der Weltgeschichte nur eine kleine Spanne darstellen, im Leben des Einzelnen und einer Gemeinschaft sind 85 Jahre doch mehr, oft sogar ein langer und beschwerlicher Weg. Nicht zuletzt gilt das für die zurückliegenden 85 Jahre mit ihrer Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Diese von vielen Schicksalsschlägen geprägte und gezeichnete Zeit hat das Korps durchlebt und überlebt. In der Vereinsgeschichte der "Alten Kameraden", in der mittlerweile die vierte Generation angebrochen ist, spiegelt sich in einem kleinen bescheidenen Maße ein Stück Historie der Stadt Würselen wider.

Wer heute auf die Zeit der Gründung des Korps zurückblickt, stellt fest, daß die "Alten Kameraden" aus einem katholischen Jünglingsverein hervorgegangen sind. Um das zu verstehen, muß zunächst ein Blick auf die Arbeit der katholischen Jugendvereine in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg geworfen werden.
In den damaligen katholischen Jünglingsverein der größeren und größten Pfarrgemeinden bestanden die verschiedenartigsten Abteilungen. Jede bot den Mitgliedern die Möglichkeit, ihren besonderen Interessen nachzugehen. Gesang- und Theaterabteilungen waren die ersten und ältesten. Gerade sie verbanden viele Jahre hindurch bei den Veranstaltungen durch ihre Leistungen die Vereinsgemeinschaft.



Die Trommler- und Pfeifer im Jünglingsverein der Pfarre St. Sebastian mit ihrem Präses, Kaplan Lennartz, der die Widerstände der belgischen Besatzungsmacht überwand. Eines der ältesten Fotodokumente aus dem Jahre 1925


Etwa ab 1903 entwickelten sich Abteilungen für Wandern, Spiel und Sport. Literarische Abteilungen pflegten und förderten den qualitativen Aufstieg innerhalb der Theaterabteilungen. Bei kirchlichen und weltlichen Feiern zeichneten sich die Musikabteilungen durch ein ähnliches Streben aus. Im Wettschreiben erreichten die Stenographie-Abteilungen Leistungen, die selbst bei "zünftigen" Kreisen Anerkennung fanden. In der katholischen Jugend hatte sich somit der Weg von der reinen Jugendpflege hin zur Jugendbewegung vollzogen. Dieser Weg der katholischen Jugendarbeit führte am 16. September 1926 in Würzburg zur Gründung der DJK im "Reichsbund deutscher Jugendkraft."



Wie kein anderer Verein


Aus den Wander- und Sportabteilungen gingen die Trommler- und Pfeiferkorps hervor, die sich zunächst ihren Aufgaben im Rahmen der Vereinsarbeit widmeten. Das Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden" wuchs, schnell über diesen Aufgabenkreis hinaus. In der Eigenart dieser Spielgemeinschaft lag es begründet, durch ihre Betätigung in die Öffentlichkeit und damit in den Vordergrund zu treten. Denn an Einladungen zur Mitwirkung bei den verschiedenartigsten Aufzügen und Veranstaltungen fehlte es von der ersten Stunde an nicht. Es verfiel jedoch nicht aus lauter Selbstzweck der Abwanderung aus der Vereinsgemeinschaft, aus der es hervorgegangen war. Durch die guten Leistungen fand das Korps schon in wenigen Jahren allgemeine Anerkennung und Wertschätzung. Das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Auch heute noch trifft die Aussage des ehemaligen Bürgermeisters Küppenbender zu, der in seinem Grußwort zum 30jährigen Jubiläum feststellte:

"Fast wie kein anderer Verein in Würselen erfreut sich das Trommler- und Pfeiferkorps Alte Kameraden der allgemeinen Wertschätzung in der Bügerschaft, die ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit bekundet wird."


Die Gründung des Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden" erfolgte Mitte Mai 1922 auf Initiative und durch Förderung des damaligen Präses des Jünglingsvereins, Kaplan Lennartz. Unter dem langjährigen Korpsführer und Spielleiter Josef Hess widmeten sich zwölf Mitglieder mit allem Eifer der fachlichen Ausbildung. Größte Unterstützung fand dabei der noch junge Spielleiter und Korpsführer bei dem alten Kameraden und Fachmann Simon Jacobi.

Schon längere Zeit vor der Gründung des Korps aus dem Jünglingsverein bestand in Würselen ein Trommler- und Pfeiferkorps. Doch schon bald erkannten die Verantwortlichen des älteren Korps in dem jungen und sich erst entwickelnden Spielmannszug den rechten Nachwuchs. Aus dieser Erkenntnis heraus beschlossen sie, das alte Korps aufzulösen und seinen Schellenbaum der neuen Spielgemeinschaft zu übertragen. Ein feiner und vorbildlicher Schritt, der gerade in unseren Tagen höchstes Lob verdient.



An der Kaiserstraße 11


In den ersten Jahren nach Gründung war das junge Korps stark behindert durch das vollständige Verbot öffentlichen Auftretens, das die damalige Besatzungsbehörde angeordnet hatte. Die derzeitigen Präses Kaplan Lennartz und Kaplan Gertges überwanden nacheinander die ständig auftretenden Schwierigkeiten. Sie erreichten, daß wenigstens in geschlossenen Räumen Proben abgehalten werden durften. Bei dem Gastwirt Josef Grafen, Kaiserstraße 11, fand das Korps freudige Aufnahme. In seinen Räumen waren die "Alten Kameraden" viele Jahre beheimatet.


Durch das Verbot der belgischen Besatzer ließen sich die jungen Trommler und Pfeifer nicht entmutigen.


Selbst in der Verbotszeit wußte man sich bei den "Alten Kameraden" zu helfen. Sie nutzten die guten Beziehungen zu den katholischen Jugendvereinen im benachbarten Holland aus. In Bleyerheide, Heerlen, Sittard, Valkenburg und Eygelshoven vertrat das Korps die Farben der Stadt und errang höchste Preise. Bei einem Wettstreit in Venlo unterstrich es den Stand der Leistungsfähigkeit. Es kehrte mit dem zweiten Preis für die beste Haltung im Festzug, dem ersten Preis für den Korpsführer, dem zweiten und dritten Preis im Tambour-Solo sowie noch mit 95 Gulden als Anerkennung für die weiteste Herkunft heim.


Einen der ersten großen Erfolge errangen die Spielleute im Jahre 1927, als sie mit dem Titel "Reichsmeister" in ihre Heimatstadt zurückkehrten.


Einen der ersten öffentlichen Auftritte auf deutschem Boden hatte das junge Korps in Düren. Darüber berichtet der Gründerpräses in einem Beitrag zur Festschrift anläßlich des 30jährigen Bestehens:
"Als nun zwei Jahre darauf die Dürener Marianische Jünglings-Kongregation vom 7. bis 15. Juli 1924 ihr silbernes Jubiläum fereierte, wurde bei der französischen Besatzungsbehörde erreicht, daß die jungen Leute (zum ersten Male nach Kriegsende in Düren) unter Vorantritt eines deutschen Trommler- und Pfeiferkorps vom katholischen Arbeiterhospiz aus zur Annakirche marschieren durften. Dieses schneidige Korps war unser Würselener Korps, das damals etwa 20 Mitglieder zählte unter der Stabführung vom Josef Hess. Es hat sowohl auf die Dürener als auch auf unseren unvergeßlichen hochw. Herrn Generalpräses Monsignore Mosterts, Düsseldorf, einen hervorragenden Eindruck gemacht, das sämtliche jungen Leute in ihrer schmucken Tracht am Tische des Herrn erschienen."



Reichsmeister und erste Preise


In seinem vollen Streben konnte sich das Korps erst nach Abzug der Besatzungsbehörde frei entfalten. Geradezu sprunghaft waren die "Alten Kameraden" aus Würselen im Jahre 1925 bei der großen "Rheinland-Befreiungsfeier" in Eschweiler mit von der Partie. Im Jahre 1927 errang das Korps auf dem zweiten Reichstreffen der DJK in Köln unter Beteiligung von mehr als 60 Korps die Reichsmeisterschaft im Gesamtspiel und die ersten Preise im Solospiel. Als Tambour und Flötist wurden Willi Becks und Gottfried Schüller mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Auch beim dritten Reichstreffen der DJK stellte sich das Würselener Korps in Dortmund der starken Konkurrenz. Diesmal sicherte es sich den ersten Ehrenpreis in der A-Klasse, eine wertvolle Plakette mit dem Bild des im Jahre 1926 verstorbenen Gründers der DJK, Generalpräses Mosterts.


Übergabe des ersten Schellenbaumes am Jugendheim von St. Sebastian im Jahre 1929.


Als vom Jahre 1933 die Nazi-Regierung sehr bald den Anspruch "auf den ganzen Menschen" erhob, mußte auch der katholische Jünglingsverein von St. Sebastian sich den daraus ergebenden Zwangsmaßnahmen unterwerfen. Um der ständig drohenden und der schließlich angekündigten Auflösung und der in diesen Fällen üblichen Enteignung des gesamten Inventars zu entgehen, übertrug der damalige Kaplan Lüpschen gerade noch rechtzeitig das Vereinseigentum den einzelnen Spielern des Korps. Um wenigstens noch eine gewisse Selbstständigkeit bewahren zu können, zogen die Verantwortlichen den Anschluß an den damaligen "Stahlhelm-Bund" vor. Nach Auflösung dieses Bundes ergab sich dann eine günstige Möglichkeit zur Gründung eines selbständigen Trommler- und Pfeiferkorps. Die Eintragung erfolgte unter dem Namen Trommler- und Pfeiferkorps Alte Kameraden 1922 Würselen.


Bei den Heimatwochen 1928 durfte das Korps mit seinem klingenden Spiel nicht fehlen.


Es folgten fünf Jahre mannigfaltiger Betätigung. Die Möglichkeit, in einem Wettstreit durch errungene Preise Lob und Anerkennung zu ernten, bot sich jedoch nicht mehr. Aus echter Kameradschaft und im Geiste der unvergessenen DJK-Zeit wurden die schwierigen Probleme trotz harter Bedingungen gemeistert.



Erstes klingendes Spiel nach dem Krieg


Die erste Folge des im Jahre 1939 beginnenden Zweiten Weltkrieges war die vollständige Unterbrechung der Vereinsarbeit. Der größte Teil der aktiven Mitglieder wurde nämlich zum Wehrdienst einberufen. Was blieb, war die ständige Pflege der Beziehungen zu den Kameraden und Hilfeleistung aller Art für die Familien.
Nach Kriegsende war zunächst nicht daran zu denken, das Korps wieder aufzubauen. Fast das gesamte Inventar war verlorengegangen oder vernichtet worden. Erst im März 1948 wurde der Beschluß des Wiederaufbaues gefaßt. Die alten Kameraden waren wieder zur Stelle: Gottfried Schüller übernahm den Vorsitz, als Korpsführer trat wieder Josef Hess an seinen Platz, Johann Leuchter wurde Schriftführer und Peter Dreschers übernahm die Kassenführung. Bereits am 14. August 1949 wurden 16 neue Kameraden in das Korps aufgenommen. Ein erfreulicher Neubeginn nicht nur die "Alten Kameraden", sondern - wie sich später zeigen würde - für die ganze Stadt Würselen. Zuvor ließen das klingende Spiel in den Straßen erstmals nach dem Kriege die Mitglieder Josef Hess, Franz Kremer, Johann Leuchter und Josef Leuchter erschallen.


Auszug aus dem Protokoll zur Wiederbegründung des Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden im April 1949


In Erscheinung traten die verjüngten "Alten Kameraden" u.a. am 14. Mai 1950 bei der Gründungsfeier der Kolpingfamilie Würselen. Pfarrer Heinrich Lüpschen schenkte dem Korps bei der Morgenfeier die Plakette des Jahres 1932 zurück, die dieses dem ehemaligen Präses bei seinem Abschied von Würselen als Erinnerung überreicht hatte. In diese Plakette ließ Pfarrer Lüpschen den für diese Tage richtungsweisenden Spruch eingravieren: "1932 zur Ruhe gezwungen, 1950 war´s wieder gelungen. Die Wurzel schlug aus, gab uns neues Leben. Nicht warten - stets streben."


Marscherleichterung ist angesagt: Die "Alten Kameraden" bei einem auswärtigen Gastspiel in der Bergbaustadt Alsdorf Anfang der 50er Jahre.


Lang gewartet wurde auch weiterhin beim Trommler- und Pfeiferkorps nicht. Am 8. Juli 1950 beteiligte es sich an einem vom Spielmannszug Kohlscheid-Nord aus Anlaß des 40jährigen Bestehens veranstalteten Tambour-Solisten-Wettstreit. Die Leistungen fanden erneut höchste Anerkennung: ein dritter Preis in der Gesamtwertung, ein Ehrenpreis für die Korpsführung und acht Preise im Solistenwettstreit. Das langjährige Vorstandsmitglied Jean Leuchter wurde am 14. Oktober 1951 zum Ehrenmitglied ernannt. Zum 30jährigen Bestehen im Mai 1952 zählte das Korps bereits wieder 42 aktive und 217 inaktive Mitglieder.


Fototermin anläßlich des 30jährigen Bestehens: Korpsführer Hess (rechts) mit seiner solzen Truppe.


"Verdienstliches Korps"


Welche Sympathien das Korps zu seinem 30jährigen Bestehen bereits wieder in der Bevölkerung und in der Öffentlichkeit genoß, geht aus einem Grußwort von Bürgermeister Wilhelm Küppenbender und Stadtdirektor Gottfried Heyer hervor. Wie schrieben sie doch 1952:
"Die "Alten Kameraden" sind eben für die Bürger der Stadt die alten Kameraden im guten Sinne, eine Gemeinschaft, die aus dem Vereinsleben der Stadt nicht mehr wegzudenken sein würde. Ihnen gilt zu ihrem 30jährigen Jubelfeste der Gruß und der Dank der Bürger der Stadt Würselen, ihnen wollen wir auch weiterhin in Bewunderung und Kameradschaft zugetan sein."
In Erinnerung an den Werdegang dieser Spielgemeinschaft sagte Pfarrer Heinrich Lüpschen, ehemaliger Präses der "Alten Kameraden":
"Keiner hat Euch auf die Beine gestellt und Euch in ein gemachtes Bett gelegt, von klein an seid Ihr gewachsen. Dieses Wachsen brachte Euch die Freude eigenen Schaffens, gab Euch aber auch manche Schwierigkeit zu überwinden. Daß Ihr es schaffen konntet, ist der Grund einer wirklich frohen Rückerinnerung, ist der Grund, aus dem Euch die Kraft kommt, auch weiterhin als eine verschworene Gemeinschaft zu bestehen und zu noch größerem zu wachsen."
Und Pfarrer Lennartz, der Gründer-Präses, in weiser Voraussicht:
Wenn der gute Geist aufrechterhalten bleibt, von dem auch das Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden" immer getragen war, dann dürften auch die kommenden 20 Jahre bis zum goldenen Jubiläum dem verdienstlichen Korps zur Ehre gereichen.



Sympathien und Anerkennung


Was die Repräsentanten des öffentlichen Lebens und die ehemaligen Präsides in ihren Grußworten zum Ausdruck gebracht hatten, fand seinen sichtbaren Niederschlag in den Feierlichkeiten zum 30jährigen Bestehen. Durch drei befreundete Korps und die "Alten Kameraden" selbst wurden am späten Samstagnachmittag die Feierlichkeiten angekündigt. In einem festlichen Ehrenabend, veranstaltet im Jugendheim St. Sebastian, ehrte das Korps nicht weniger als zwölf lebende Jubilare. Im Festzug und dem anschließenden Wettstreit auf der Festwiese Haaler Straße stellten sich immerhin 25 Korps mit den "Alten Kameraden" selbst den kritischen Augen der Bevölkerung und den kritischen Ohren der Jury.


Mit diesen Worten bedankten sich Josef Hess, Gottfried Schüller, Peter Dreschers und Johann Leuchter für die "Alten Kameraden" und Jean Leuchter, der Vorsitzende des Festausschusses, für den beim Fest gezeigten Gemeinschaftsgeist.


Mit einem Festball klangen die beiden Jubiläumstage aus, die wie ein wahres Volksfest in die Geschichte der Stadt eingegangen waren. Das geht aus einer Pressenotiz aus jenen Tagen hervor:
"Die Geburtstagsfeier des Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden" gestaltete sich zu einem wahren Volksfest für Würselen. Die ganze Stadt schien am Sonntagnachmittag beim großen Festzug auf den Beinen zu sein, um den "Alten Kameraden" an ihrem 30. Geburtstag ihre Sympathie und Anerkennung zu bekunden. Bei der Veranstaltung auf der Festwiese waren so viele Besucher zugegen, wie wohl kaum bei einer ähnlichen Gelegenheit."




Im Zeichen der glanzvollen Tage des 30jährigen Bestehens stand das Vereinsleben im nachfolgenden Jahr 1953. Weitere Aktivitäten wurden entwickelt: In karnevalistischer Aufmachung nahm das Korps am 15. Februar am ersten Rosenmontagszug der Stadt teil. Trotz kühler Witterung wurde das erstmals nach dem Krieg veranstaltete Sommerfest zu einem vollen Erfolg. Mit Sang und Klang ging das Korps am 16. August auf Vereinstour an die Mosel, ebenfalls ein Novum. Neue Uniformkappen wurden erstmals bei einem Wettstreit am 19. Juli 1955 in Brunssum (Holland) getragen.
Trotz der vielen Neuerungen, die das Vereinsleben in diesen zwölf Monaten erlebt hatte und die in Zukunft zum festen Bestandteil wurden, wurde das Vereinsleben im Jahre 1954 von magelndem Korpsgeist überschattet. Nachdem Geschäftsführer Johann Leuchter eindringlich gemahnt hatte: "Nehmt Euch ein Beispiel an Eurem Spielleiter Josef Hess, der mit seinen 50 Jahren immer zur Stelle ist.", wurde die latente Krise wieder überwunden. Konnte doch der zweite Schriftführer Peter Leuchter in der Jahreshauptversammlung 1955 erfreut in der Chronik festhalten: "Durch echte Kameradschaft, gerichtet auf ein gemeinsames Ziel, ist es uns gelungen, die Segel wieder in den rechten Wind zu stellen."



Glänzende Premiere


Wieweit das gelungen war, zeigte der durch fleissige Probenarbeit errungene Erfolg bei einem Wettstreit in Kohlscheid. Vier Ehrenpreise (Festzug, Korpsführer, Schellenbaum und Ehrenklasse) und ein zweiter Preis in der Solistenklasse A durch Josef Schiffgens waren die Ausbeute. Mit einer Hornbläsergruppe überraschten die "Alten Kameraden" ihre Gäste beim Siftungsfest. Die unter der Leitung von Wilhelm Felder stehenden Bläser feierten eine glänzende Premiere. Wegen seiner besonderen Verdienste ernannte ihn das Korps daraufhin zum Ehrenmitglied.


Das Schellenbaumtrio beim Aufmarsch Mitte der 60er Jahre am Kreuz Ecke Klosterstraße / Neuhauser Straße.
Von links: Peter Mundt, Karl Leuchter, Heinz Wissgens.


Die leichte Krise des Jahres 1954 war längts vergessen. Fort schritten die "Alten Kameraden" zu neuen Taten. Das nächste Ziel war die Anschaffung einer Uniform. Zum Stiftungsfest des Jahres 1956 traten 25 in schicke Uniformen eingekleidete Aktive an. An dunkle Gewitterwolken dachte in Kreisen des Korps niemand mehr.


"Zeitvertreib" am Rande des Kirmesgeschehens: Oberes Bild von links: Heinz Becker, Hans Maassen, Franz Schoenen und Matthias Claßen.
Unten: Heinz Wissgens, Hubert Graf und Hans Maassen. Wie sich die Bilder gleichen!


48 Jahre Franz Schoenen


Auf Sonne folgte jedoch Ende 1957 wiederum Schatten. Die älteren Kameraden traten von ihrer verantwortlichen Tätigkeit zurück. Eine grundsätzliche Veränderung der Struktur des Korps setzte ein. Jüngere Aktive - unter ihnen Franz Schoenen - wurden in den Vorstand gewählt. Am 18. Januar 1959 wurden ihm sogar als Vorsitzendem die Vereinsgeschicke in die Hand gelegt. Daß er das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigte, sollten die folgenden Jahre beweisen. Mit dem Vorsitzenden Franz Schoenen durchlebte das Korps bis zu seinem Tode im September 2007 nicht weniger als 48 Jahre.


Um den Schellenbaum herum versammelten sich die Trommler und Pfeifer für dieses Bild vom 40jährigen Jubiläum.


Wenn auch der Wettergott nicht ganz so mitspielte, so ging das 40jährige nicht weniger glanzvoll wie das 30jährige in die Geschichte des Korps ein. Nach mehr als 40 Jahren hatte der alte Schellenbaum am 26. Mai 1962 ausgedient. Ein letztes Mal wurde er vorangetragen, als die "Alten Kameraden" ihren Jubilar und Korpsführer Josef Hess an seinem Haus an der Ankerstraße abholten. Beim Ehrenabend im Jugendheim St. Sebastian, wo 40 Jahre zuvor die Wiege des Korps gestanden hatte, wurde dem Korps vom Festausschuß ein neuer, schmucker Schellenbaum zum Geschenk gemacht.
"Möge dieser Schellenbaum dazu beitragen, die Kameradschaft und die Freude am Spiel zu fördern. Hoffen wir, daß Josef Hess noch viele Jahre als Korpsführer hinter ihm her schreiten darf."
Mit diesen Worten überreichte der Festausschußvorsitzende, Heinrich Voß, das kostbare Geschenk.


Das stolze Stück, das dem Korps vom Festausschuß als Geschenk übergeben wurde.


Farbenfrohe Uniformen


An diesem Ehrenabend wurde aber auch der aktiven und inaktiven Mitglieder gedacht, die sich seit langen Jahren mit unermüdlichem Eifer für die Belange des Korps einsetzten. Ehrenvorsitzender Jean Leuchter dankte den alten Recken für ihre Arbeit und Treue zum Verein. An der Spitze der Ehrung stand verständlicherweise Josef Hess, dessen 40jährige Korpsleitertätigkeit Seltenheitswert besessen haben dürfte. Mit ihm zeichnete das Korps dessen Mitarbeiter und Mitstreiter Gottfried Schüller, Wilhelm Becks, Johann Leuchter, Johann Mund, Josef Mirbach, Heinrich Jansen, Johann Kalz, Matthias Claassen, Quirin Einmal und Heinrich Havenith aus. Für seine 25jährige inaktive Mitgliedschaft wurde nicht weniger des Ehrenvorsitzenden gedacht. Eine große Enttäuschung brachte der Nachmittag des zweiten Festtages den "Alten Kameraden". Nach langem Warten mußte der großartig vorbereitete und organisierte Festzug abgeblasen werden. Der Wettstreit der zahlreichen Vereine aus dem In- und Ausland mußte ins Jugendheim St. Sebastian verlegt werden. Durch einen kleinen Umzug wurde der Festzug doch noch gerettet, als die düsteren Gewitterwolken sich wenigstens etwas verzogen hatten. Unter den farbenfrohen Uniformen (vor allem der holländischen Freunde) hallte die ganze Innenstadt wider von den vielfältigen Klängen der Korps. Die Bevölkerung der ganzen Stadt nahm Anteil. So wundert es nicht, daß letztlich die Presse doch wieder von einem Volksfest für die "Alten Kameraden" sprach:




Stolz auf Nachwuchs


Eine leise Vorahnung erfüllte den Jubilar Josef Hess, als er wenig später an die "Alten Kameraden" appellierte, einen jüngeren Aktiven mit der verantwortungsvollen Tätigkeit des Korpsführers zu betrauen. Ehe die Spielgemeinschaft seinem Appell nachkommen konnte, überraschte sie am 17. April 1964 die traurige Nachricht vom Tode des verdienstvollen ersten Spielmannes, was der schwerste Verlust seit dem Aufbau des Korps nach dem Zweiten Weltkrieg war. Am 21. April 1964 trug das Korps einen alten Kameraden zu Grabe, dessen edle Gesinnung stets absolutes Vorbild war.
Welche Lücke der Tod in den Reihen des Korps gerissen hatte, wurde erst recht in den nachfolgenden Monaten deutlich, als die Frage des Nachfolgers gelöst werden mußte. Nach langem Hin und Her trat Michael Hess in die Fußstapfen des Vaters als Korpsführers; Hubert Maassen übernahm das Amt des Spielleiters. Nach drei Jahren stellte Michael Hess jedoch sein Amt zur Verfügung.
Vom 11. Juni 1967 schritt Hubert Maassen als Korpsführer und Spielleiter dem Verein - sage und schreibe 28 Jahre - voran. Unter seiner Stabführung ging es nach dem durch den Tod von Josef Hess bedingten Rückschlag schnell wieder aufwärts. Neben vielen Erfolgen, die in den nächsten zwölf Monaten errungen wurden, waren die "Alten Kameraden" vor allem stolz auf ihren Nachwuchs, der für die Zukunft hoffen ließ.



Triumphale Erfolge


Der Nachwuchs rechtfertigte in den nächsten zehn Jahren die in ihn gesetzte Hoffnung nicht nur. Vielmehr wurde durch ihn beim Korps eine Art dritte Generation eingeleitet. Doch zunächst wurde glanzvoll das Goldjubiläum gefeiert. Die Feierlichkeiten vom 19. - 21. August 1972 trugen nicht zuletzt dazu bei, daß in der Jahreschronik von einem stolzen Jubeljahr gesprochen werden konnte.
Doch bevor die "Alten Kameraden" ihr goldenes Jubiläum feierten, statteten sie noch zahlreichen befreundeten Korps ihren Freundschaftsbesuch ab. Manche große Trophäe wurde bei den verschiedensten Wettstreiten gewonnen. Vom 45jährigen Bestehen des Settericher Korps kehrten sie mit dem höchsten Preis aus einer 36köpfigen Konkurrenz in ihre Heimatstadt zurück. Einzigartig schnitten die Würselener Spielleute bei einem Treffen in Breinig ab. Nicht weniger als vier Ehrenpreise wurden gewonnen. Als bestplaziertes Korps erhielten die "Alten Kameraden" auch noch den vom damaligen Landrat Delheid gestifteten Sonderpreis. Mit seinen Kameraden konnte Ehrenkorpsführer Heinrich Havenith im Jubiläumsjahr so manchen Triumph feiern.
Dann kamen die Jubiläumsfeierlichkeiten. Es wurde ein Festbuch herausgegeben, das allgemein große Anerkennung fand. Beim Ehrenabend im Festzelt an der Poststraße gratulierten nicht weniger als 23 Vereine, was ein eindeutiger Beweis dafür war, welcher Beliebtheit sich die "Alten Kameraden" sowohl innerhalb als auch außerhalb der Stadtmauern erfreuten. Nicht weniger dokumentierte sich das beim Festzug, der von 23 Korps und zehn Ortsvereinen gestaltet wurde. Als Gründer konnte das Korps Gottfried Schüller, Johann Leuchter und Wilhelm Becks ehren. Beim Dorfabend am Montag waren noch einmal 800 Besucher zur Stelle, um mit ihrem Korps das Goldjubiläum zu beschließen.




Erste Erfolge beim Nachwuchs


Im Jubiläumsjahr wurde der Beschluß zur Anschaffung neuer Uniformen gefaßt. Erstmals in neuen Uniformen trat das Korps am 20. Mai 1973 beim 60jährigen Bestehen des FC Sparta auf. Doch gab es im Jubiläumsjahr auch zwei traurige Nachrichten. Aus dem Kreis der "Alten Kameraden" verschieden das Ehrenmitglied Heinrich Voß und der langjährige Vereinswirt Josef Grafen. Auf der anderen Seite wurde der Ehrenkorpsführer Heinrich Havenith für seine 50jährige aktive Tätigkeit geehrt.


Mitte der 70er Jahre: Die "Alten Kameraden" geben sich zum Fototermin am Haaler Dreieck ein Stelldichein.


Eine erfreuliche Aufwärtsbewegung setzte mit dem Jahre 1974 beim Korps ein, als acht neue Mitglieder aufgenommen wurden. Ihr silbernes Jubiläum feierten der Korpsführer Hubert Maaßen sowie die Aktiven Rudi Bleser, Peter Leuchter, Matthias Maassen und Franz Voß, die heute als die zweite Generation des Würselener Korps gewürdigt werden darf. Jedoch mußte man für immer von Matthias Claßen, dem Lehrmeister der Tamboure, Abschied nehmen. Unter der Leitung von Hubert Graf verbuchte der Nachwuchs im Jahre 1975 die ersten Erfolge in Eilendorf. Bei einem Wettstreit der Rheinklänge Aachen gab es, sage und schreibe, fünf Ehrenpreise für die Würselener Spielleute. Neue Mitglieder wurden auch im Jahre 1976 aufgenommen. Ein Novum war ein Konzert, das die "Alten Kameraden" zusammen mit dem Orchester des Instrumentalvereins (heute Orchester der Stadt Würselen 1846) zugunsten der Aktion Sorgenkind (heute Aktion Mensch) veranstalteten.


Gemeinsam mit dem Instrumentalverein (heute: Orchester der Stadt Würselen) gestaltete das Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden" im Jahre 1976 in der Aula an der Klosterstraße ein Benefizkonzert


Das Korps dokumentierte damit zum ersten Mal und nicht zum letzten Male, daß es ein großes Herz für notleidende und bedürftige Menschen hat. Große Erfolge verbuchte die Jugend insbesondere durch die Erringung des Karl-Havers Wanderpokals bei einem Wettstreit in Kohlscheid. In offizieller Mission reisten 26 "Alte Kameraden" 1976 in die bretonische Partnerstadt Morlaix. Musikalisch standen sie auf Einladung des Rates der Stadt Würselen Pate bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde.


Musikalisch standen die "Alten Kameraden" Pate, als im Jahre 1976 in der bretonischen Stadt Morlaix die nun schon mehr als drei Jahrzehnte alte "Jumelage" begründet wurde.


Ob der Erfolge, die die Jugend den "Alten Kameraden" bescherten, richtete das Korps am 1. Juni 1977 einen Jugendwettstreit aus. Nicht weniger als 21 Korps entsandten über 120 Solisten mit Trommeln und Pfeifen nach Würselen. Auf gute Leistungen bei der Jugend konnte der Chronist auch im Jahre 1978 verweisen. Es verwundert nicht, dass die "Alten Kameraden" am 01. Oktober einen zweiten Jugendwettstreit über die Bühne brachten. Über 100 Solisten kämpften um wertvolle Trophäen.



Leid und Trauer


Den ersten Auftritt im Jahre 1979 hatte das Korps am 18. Januar anläßlich der Vollendung des 90. Lebensjahres von Ehrenmitglied Wilhelm Felder, der sich bis ins hohe Alter hinein große Verdienste um die Ausbildung der Fanfarenbläser erworben hatte und dessen Tod im Monat September des gleichen Jahres beklagt werden mußte. Leid un Trauer überschattete das Leben des Korps in besonderem Maße im Januar 1980. Es begann am 10. Januar mit der Beisetzung des Ehrenmitglieds Peter Linnenberger. Auf der Jahreshauptversammlung wurde Gottfried Schüller zum Ehrenvorsitzenden sowie die ehemaligen Aktiven Johann Leuchter, der ebenfalls im September zu Grabe getragen wurde, und Franz Kremer zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Tief traf die "Alten Kameraden" am 22. September 1980 die Nachricht vom frühen Tod des langjährigen Schriftführers Josef Klinkenberg. Bis Mitte Mai hatte er noch die Chonik verfaßt, die von 1969 an eindeutig seine Handschrift trug. Sein Stellvertreter Jakob Leuchter würdigte in seinem Nachruf Josef Klinkenberg als einen lebensfrohen und unbekümmerten Kameraden: "Er trug mit Stolz die Fahne des Korps und seine Schaffenskraft wird unersetzbar sein."
Schon ganz im Zeichen des 60jährigen Bestehens standen die Aktivitäten im Jahr 1981: Ein Festausschuß wurde gegründet und viele befreundeten Spielmannszüge wurden anläßlich ihrer Freundschaftstreffen und Wettstreite besucht.



Große Leistungserfolge


Das vom Vorstand des Korps und des Festauschusses gut vorbereitete 60jährige Jubiläum wurde vom 17. - 19. September 1982 gefeiert. Durch die Ausrichtung der Landesmeisterschaften im Fahnenschwenken leistete die Fahnenschwenkergruppe Bissen ihren Beitrag zu dessen Gestaltung. Über 100 aktive Fahnenschwenker gaben sich beim Festzug und bei den Wettbewerben die Ehre. Bei den Klängen der Kapelle "X-Ray" wurden die Festveranstaltungen im Festzelt auf dem ehemaligen Kirmesplatz an der Poststraße aufgezogen.


Erinnerungen werden geweckt an das 60jährige Bestehen.


Als das Ereignis des Jahres 1985 ging der zweite Besuch der "Alten Kameraden" in der Partnerstadt Morlaix ein. Unvergessen geblieben ist das gemeinsam mit der "Batterie Fanfare" vor dem Rathaus von Morlaix gestaltete Platzkonzert. Aber auch die Ausflüge in die nähere Umgebung der Partnerstadt unter der fachkundigen Führung von Josef Thielen leben in der Erinnerung fort.
Einen der größten Leistungserfolge verbuchte das Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden" am 13. Juli 1986. Vom Bezirksmusikfest in Übach-Palenberg kehrten die Spielleute unter Hubert Maassen mit dem Titel des Landesmeisters in ihrer Heimatstadt zurück.
Zwei Jahre später startete das Korps einen Ausflug nach Oberöstereich, um in Ampflwang am Marktmusikfest teilzunehmen. Gemeinsam mit Musikanten aus England, der Schweiz und dem Gastgeberland gestalteten die Spielleute aus dem Westen der Bundesrepublik eine internationale Rasenshow.


Ende der Rasenshow in Ampflwang, Österreich
Abschluß der Rasenshow im österreichischen Ampflwang


Den Feierlichkeiten zum 70jährigen Bestehen, die in etwas kleinerem, aber doch feinem Rahmen begangen wurden, ging im Jahr 1992 die Aufnahme einer eigenen Musikkassette vorauf. Die große Nachfrage danach sprach Bände für die Qualität und die Beliebtheit des Korps, der sich dieses auch nach mehreren Generationswechseln immer noch erfreut. Das 70jährige Bestehen war eingebettet in das Sommerfest des Vereins für Rasenspiele mit einem Bühnenspiel auf dem Sportplatz Drischfeld.


Erstes Vereinsfoto in wilhelminischer Uniform zum 70jährigen Jubiläum.


Ende einer Ära


Im Jahr 1995 brach das Korps nach langen und reiflichen Überlegungen mit seiner Tradition, nur männliche Aktive aufzunehmen. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieses richtungsweisenden Beschlusses konnten sechs junge Mädchen zur ersten Probe begrüßt werden. Seitdem sind sie aus den Reihen der Aktiven nicht mehr wegzudenken. Schlagzeilen machten die "Alten Kameraden" in diesem Jahr aber auch durch ein auf der Freilichtbühne der Burg Wilhelmstein veranstaltetes Benefizkonzert mit dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Bei besten äußeren Bedingungen erlebten 900 Besucher einen musikalischen Hochgenuß. Runde 9.000,-- DM (ca. 4.600 Euro) an Reinerlöß konnten dem Altenheim St. Antonius zur Verfügung gestellt werden.


In bester Erinnerung ist das Benefizkonzert, das die "Alten Kameraden" gemeinsam mit dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr auf der Burg Wilhelmstein veranstalteten.


Schließlich ging in diesem ereignisreichen Jahr noch die Ära von Korpsführer und Spielleiter Hubert Maassen zu Ende. Fast drei Jahrzehnte schritt er seinen "Alten Kameraden" voran. Dabei präsentierte er stets ein Korps, das in seiner musikalischen Leistung und in seiner zackigen Haltung seine Handschrift trug und auch heute noch trägt. In seine Fußstapfen trat Winfried Mahr, der jedoch aus beruflich bedingtem Wohnungswechsel den Tambourstab an Guido Bleser weiterreichen mußte, der bereits in kürzester Zeit die jüngeren und älteren Spielleute auf sich einzuschwören vermochte.


Zweiter Generationswechsel:
Nach 37 Jahren trat Korpsführer Hubert Maassen von seinem Amt zurück. Seine "Alten Kameraden" ernannten ihn zum Ehrenkorpsführer.
In seine Fußstapfen traten Winfried Mahr (rechts) und Guido Bleser (links).


Fünf Goldjungs



Mit einem glanzvollen Fest feierte das Trommler- und Pfeiferkorps "Alte Kameraden" gemeinsam mit der Würselener Bürgerschaft sein 75. Jubiläum. Als Programmpunkte des schon Wochen vor dem Fest ausverkauften Galaabends waren der Trompeter Piet Knarren, die kölsche Mundartgruppe "Paveier" und die "Original Eschweiler Fanfarentrompeter" aufgeboten. An der Reaktion des Publikums konnte man sehr schnell ablesen, daß sich diese Wahl als Glücksgriff herausgestellt hatte. Die Besucher, denen es gelungen war eine von rund 1.200 Eintrittskarten zu ergattern waren dann auch hellauf begeistert.
Die ungeteilte Anerkennung des Vereins in der Würselener Bevölkerung kommt im Grußwort des Bürgermeisters Martin Schulz zum Ausdruck: "Auch heute begeistern die Mitglieder des Trommler- und Pfeiferkorps 1922 Alte Kameraden Würselen die Zuschauer und Zuhörer bei den vielen Gastspielen in unserer Heimatstadt, aber auch bei Auftritten in anderen Städten. Die "Alten Kameraden" bilden einen festen kulturellen Bestandteil in unserer Stadt, wobei es ihnen mit viel Kreativität und Energie gelungen ist, ein beträchtliches Repertoire an Musikalität zu präsentieren. Die "Alten Kameraden" haben mit bemerkenswertem Erfolg Musik und Heimat zu einer Einheit zusammengeführt."



Das stolze Korps im Jahr des 75. Jubiläums 1997

Festausschußvorsitzender Achim Großmann (MdB) dankte den Mitgliedern des Festausschußvorstandes, die allesamt engagierte Arbeit geleistet hätten. Er habe es leicht gehabt, weil es nie ein Nein gegeben habe, bei der Aquirierung der Sponsoren und Festausschußmitglieder. An der Zahl der rund 500 Spender und Sponsoren alleine lasse sich die außerordentliche Beliebtheit des Vereins ermessen. Als äußeres Zeichen der Gratulation überreichte Achim Großmann im Namen des Festausschusses dem Korps einen neuen Schellenbaum mit den Worten "... in diesem neuen Schellenbaum steckt die ganze Geburtstagsfreude unserer Stadt mit den Alten Kameraden... ."
Zum Festzug fanden mehr als 30 Gastvereine nach Würselen, die in freundschaftlichem Wettstreit die Vielzahl von Preisen, darunter ein von Ministerpräsident Johannes Rau gestifteter Sonderpreis, ausspielten.




Auch nach vielen Jahren seit Gründung des Korps gibt es noch neue Herausforderungen, denen sich die Trommler und Pfeifer immer wieder gerne stellen. So nahm der Verein im Jahre 1999 nach längerem Werben erstmals ein Engagement des Neusser Bürger-Schützenvereins an und spielte beim größten Stadtschützenfest der Welt, dem Neusser Bürger-Schützenfest, auf. Von der bis zum heutigen Tage auf höchstem Niveau präsentierten Qualität der "Alten Kameraden" konnten sich nicht nur die viele Tausende Neusser Schützen und Zuschauer ein Bild machen. Auch während der Fernsehübertragung der Königsparade konnten die "Alten Kameraden" in unnachahmlicher Weise brillieren. So ist es nicht verwunderlich, daß sich die Neusser Schützen schon früh der Dienste dieses Korps für das Jahr 2000 versicherten.Bis heute ist das Neusser Bürger-Schützenfest fester Bestandteil im Terminkalender des Vereins.



Die "Alten Kameraden" beim Neusser Bürger-Schützenfest 1999.

Einige ganz besondere Ehrungen konnte das Korps gegen Ende des Jahres 1999 aussprechen. Zunächst konnte Franz Schoenen für 40 Jahre ununterbrochener Tätigkeit in seinem Amt als 1. Vorsitzender des Vereins geehrt werden. Eine Leistung, die Einmaligkeit haben dürfte.
Aber auch einige goldene Jubilare konnten 1999 ausgezeichnet werden. Rudi Bleser, Peter Leuchter, Hubert Massen, Matthias Massen und Franz Voß sind nunmehr seit einem halben Jahrhundert aktiv bei der Sache. In all diesen Jahren standen sie für den Verein und für die unvergleichliche Kameradschaft die in ihm herrscht. Es würde den Rahmen sprengen all ihre Erfolge oder Ämter aufzuzählen, die sie in dieser langen Zeit errungen bzw. bekleidet haben. Franz Schoenen dankte ihnen, für ihren unermüdlichen Einsatz zum Wohle des Vereins, sei es in Vorstandsämtern, als Korpsführer und Spielleiter oder in ihrer jeweiligen Eigenschaft als Spielleute. Für eben diesen Einsatz für den Verein wurden alle fünf Jubilare zu Ehrenmitgliedern ernannt.



Einen großen Schritt machten die "Alten Kameraden" im Sommer 2006. Das Präsidium des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften ernannte den Verein zum Bundestambourkorps.
Voraussetzung für diese besondere Auszeichnung ist enge Verbundenheit mit dem Schützenwesen im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, hervorragende musikalische Qualität und untadeliges Auftreten.
Mit der Auszeichnung vollzogen die "Alten Kameraden" den Wechsel ihre Namens von Trommler- und Pfeiferkorps zu Bundestambourkorps. Die hohe Auszeichnung die dem Verein zuteil wurde, ist auch ein Ansporn für die Zukunft, die hohe musikalische Qualität zu bewahren, ganz im Sinne von Thomas Morus:

"Tradition ist nicht das Bewahren der Asche,
sondern das Weitergeben der Flamme."



Trauer um den 1. Vorsitzenden


Mit großer Trauer und tiefer Betroffenheit nahm der Verein am 25. September die Nachricht vom Tode des langjährigen Vorsitzenden Franz Schoenen auf. Beinahe 48 Jahre hatte Franz Schoenen dem Verein vorgestanden und sein Name stand und steht wie kein zweiter für die Alten Kameraden. Stets Uneigennützig und um Ausgleich bemüht, lenkte er die Geschicke des Vereins über diesen langen Zeitraum. Vor allem sein Verdienst ist es, dass der Verein heute so gut aufgestellt und weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt ist.

Als neuer Vorsitzender wurde in der Aktivenversammlung am 8. Februar 2008 Günter Klinkenberg gewählt, der versprach, den Verein mit seinen Vorstandkollegen im Sinne von Franz Schoenen weiter zu führen.